Albtraum

Träume sind faszinierend, Träume nehmen gefangen, Träume helfen und heilen, Träume sind einfach wunderbar. Sie regen auf und regen an, Träume sind etwas Besonderes, voller Fantasie, voller Abenteuer und sie sind wild. Sie sind bereichernd und entwickeln uns und meistes durchdringen sie uns mit Neugier und färben den ganzen Tag. Wir wollen wissen, was sie bedeuten.

Aber manchmal erlebt man das ganz anders. Es kann sein, dass die Wildheit aus den Fugen gerät und Angst macht, solche Angst, dass sie einem den Schlaf raubt, dass diese Träume nicht mehr „nur“ aufregend sind, sondern Angst machen, belasten, so sehr belasten, dass man nicht mehr schlafen möchte. Man fällt, flieht und kann nicht laufen, wird bedroht oder erlebt bereits Erlebtes, das so heftig Angst gemacht hat, dass man es nicht hat verarbeiten können, denn Träume sind Gefühle und Gedanken in bewegten Bildern.

Wenn das eingetreten ist, sprechen wir von schlechten Träumen, ja sogar von Albträumen.

„ … Beim Albtraum handelt es sich um Traumerleben voller Angst und Furcht, welches überwiegend in der zweiten Nachthälfte während einer langen REM-Phase auftritt, von einem leichten vegetativen Arousal, einer Steigerung oder Schwankung der Herz- und Atemfrequenz, begleitet wird und zum Erwachen des Träumers führt.

Die betroffenen Personen sind nach dem Erwachen rasch munter und orientiert und nehmen die Umgebung klar wahr. Auch sind sie in der Lage, einen detaillierten Bericht des furchterregenden Traumes zu geben, der zumeist eine massive Bedrohung des Lebens, der Sicherheit oder des Selbstwertes beinhaltet …“, sagt der ICD-10.

Mögliche Ursachen für Albträume sind vielfältig: von einfach nur unter Strom und Stress zu stehen bis zu Erlebtem, das zu viel war um es verarbeitet haben zu können reicht das Spektrum an Ursachen von Albträumen.

Es kommt sogar vor, dass man Albträume mehrmals pro Woche erleben muss und dadurch zu schlafen zu vermeiden beginnt, dann spricht man von der Albtraumstörung.

Vermutlich hatte jeder schon einmal einen Albtraum, aber von einer Albtraumstörung spricht man, wenn man diese quälenden Träume regelmäßig erleben muss? Wenn man den Moment des Einschlafens herauszögert, weil einen die Angst vor einem erneuten Albtraum plagt? Etwa 4% der Erwachsenen sind von einer Albtraumstörung betroffen.

Spätestens sobald Albträume Einschränkungen im sozialen oder beruflichen Bereich verursachen, zu Müdigkeit und Schlaflosigkeit führen, oder signifikanten Stress verursachen, ist eine Behandlung eine gute Idee.

Die gute Nachricht ist, Albträume können verändert werden und zu Träumen werden, die sogar sehr schön sind. Sehr oft kann diese Veränderung sehr rasch vor sich gehen.

Mehr dazu findet man u.a. in meinem Buch: Albträume und wie wir diese verändern können, Nymphenburger 2013 und im neuen Handbuch für Schlaf und Schlafstörungen der DGSM oder bei einem unserer Seminare oder auch im Einzelgespräch.

von PRINZPod mit www.prinz-pod.at

Albtraumbewältigung

Die Technik des luziden Träumens zu erlernen, ist eine Art der Albträumbewältigung, die sich bereits in unseren Studien (auch bei Posttraumastischer Belastungsstörung) als wirksam herausgestellt hat und die Schlafqualität merklich verbessern kann. Effektiv ist das Luzide Träumen besonders in Verbindung mit Gestalttherapie.

Schlafcoaching kann ebenfalls, helfen, mit Albträumen besser fertig zu werden. Es basiert auf der Gestalttherapie und beinhaltet kognitiv-behaviorale Methoden, Hypnose & Entspannungstechniken und Schlafedukation.

American Academy of Sleep Medicine. International Classification of Sleep Disorders. 3rd ed. Darien, IL: American Academy of Sleep Medicine; 2014.

World Health Organization. (1992). The ICD-10 classification of mental and behavioural disorders: clinical descriptions and diagnostic guidelines. Geneva: World Health Organization.

Holzinger, B., Klösch, G., & Saletu, B. (2015). Studies with lucid dreaming as add‐on therapy to Gestalt therapy. Acta Neurologica Scandinavica131(6), 355-363.

Albtraum bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)

Über 80% der Bevölkerung erleben zumindest ein traumatisches Ereignis in ihrem Leben und  7,4% der Bevölkerung erkranken an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). PTBS entsteht als verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen, Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Zudem finden sich Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und eine Vermeidung der Personen, Orte und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen können. Auch ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen tritt oft auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Die Albträume, die im Falle von PTBS auftreten, können selbst eine große Belastung sein. Inhalte und Charakteristika variieren stark, je nach erlebtem Trauma, sind aber allenfalls aufwühlend und lösen erneut Ängste und Unwohlsein aus beim Betroffenen aus.

Albtraumbewältiung bei PTBS

Hier gilt zunächst zu bedenken, dass Albträume nur eine Erscheinungsform einer  Posttraumatische Belastungsstörung sind und eine PTBS an sich unbedingt von Fachkräften behandelt werden muss, zB. von PsychotherapeutInnen mit Ausbildung für Traumatherapie. Eine weitere Erscheinungsform der PTBS ist nur noch wenig und wenig erholsam schlafen zu können. Bei der Behandlung von PTBS sollte allgemein angestrebt werden, wieder zu gutem Schlaf zu finden, denn Schlaf heilt. Schlafcoaching ist eine der bewährten Zugänge zur Verbesserung von Schlaf und Schlafqualität.

Luzides Träumen zb. hat vielen spontan geholfen und kann auch systematisch helfen, die assoziierten Albträume in den Griff zu bekommen. Studien fanden heraus, dass die Häufigkeit der Albträume gesenkt, die Schlafqualität verbessert, und PTBS-Symptome gemildert werden können. Besonders Angst- und Depressivitätssymptome konnten reduziert werden.

Image Rehearsal Therapy (IRT) ist eine kognitiv-behaviorale Behandlungsmethode, die ebenfalls bei PTBS-assoziierten Albträumen eingesetzt wird. Die Geschichte des Albtraums wird im Wachzustand so umgeschrieben, dass sie keine Angst mehr beim Träumer verursacht. Diese wird dann täglich einstudiert, bis der Traum sich auch im Schlaf nicht mehr so bedrohlich anfühlt.

Beide Techniken müssen, wenn eine PTBS vorliegt, unbedingt von ausgewiesenen  Fachpersonen, zB. PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen begleitet werden.

Auch Medikamente können zur Behandlung herangezogen werden, beispielsweise Prazosin (1 mg – 3 mg).

World Health Organization. (1992). The ICD-10 classification of mental and behavioural disorders: clinical descriptions and diagnostic guidelines. Geneva: World Health Organization.